Mit 16 schon motorisiert auf die Straße, richtig laut und einigermaßen schnell? Die meisten Jugendlichen werden heute in den Baumarkt gehen und sich einen Roller chinesischer Herkunft zulegen. Den werden sie Roller nennen und nicht Moped, denn Moped klingt irgendwie alt. Warum eigentlich? Mo steht für Motorrad oder motorisiert, Ped steht für Pedal. Ein Roller hat keine Pedale. Aber ein Moped war ursprünglich in den fünfziger Jahren ein Fahrrad mit Hilfsmotor. So kann man ein Fahrzeug, das man verkaufen will, natürlich nicht nennen. Im Rahmen eines Wettbewerbs entschieden sich die Hersteller daher für den Kunstnamen Moped.
Das Moped bedeutete erschwingliche Mobilität, vor allem für Jugendliche. Junge (und ältere) Erwachsene kauften in den Boomjahren des Wirtschaftswunders bevorzugt Autos, sodass der einst florierende Motorradmarkt einbrach – außer eben im kleinen Segment, das für Jugendliche die einzige Wahl war. Deutsche Hersteller hatten zunächst kaum mit ausländischer Konkurrenz zu kämpfen. Sie entwickelten Mokicks (Kleinkrafträder mit Kickstarter) und diversifizierten das Angebot nach Hubraum, Gewicht und Höchstgeschwindigkeit. Dabei hatten sie mit einer Gesetzeslage zu tun, die sich in relativ kurzen Abschnitten immer wieder änderte, oft aufgrund von Überlegungen zur Verkehrssicherheit.
In den 90ern begann der Siegeszug des modern aufgemachten, leicht zu bedienenden und als Scooter modern benannten Rollers. Taiwanesische und japanische Anbieter überfluteten den Markt, die deutsche Konkurrenz konnte kaum noch mithalten. Die inzwischen offiziell Kleinkrafträder genannten Fahrzeuge dürfen übrigens auch drei oder vier Räder haben. Die Piaggio Ape oder bestimmte Quads fürs Gelände zählen daher zur selben Klasse. Alle haben gemeinsam, dass sie nicht mehr als 50 cm³ Hubraum haben dürfen und dass ihre baubedingte Höchstgeschwindigkeit nicht mehr als 50 km/h betragen darf.
Mit anderen Worten: Mopeds sind die idealen Fahrzeuge für den unübersichtlichen Großstadtverkehr oder die Fortbewegung in ausgedehnten Ballungsräumen. Zufahrtsbeschränkungen sowie Wende- und Parkmöglichkeiten sind für Mopeds grundsätzlich andere als für Pkws. Der Treibstoffverbrauch ist niedrig, und die wenigen Handgriffe, die zur Bedienung nötig sind, schnell gelernt. Und vor allem gilt: Wer auf dem offenen Moped sitzt, hat eine viel direktere und lebendigere Beziehung zu den sinnlichen Qualitäten seiner Stadt. Er erlebt Klänge und Gerüche – auch Krach und Gestank – intensiver.
Das ist manchmal ein Risiko. Steinschlag beispielsweise ist, wenn er den Helm betrifft, unangenehmer und gefährlicher als beim Auto, auch wenn er selbst dort die Straßentüchtigkeit des Autos schnell einschränkt und sofort behoben werden sollte. Dafür kann der Moped-Fahrer aber auch mal schnell halten und einen Bekannten begrüßen, oder allgemein mit Menschen in Kontakt treten. Der Autofahrer in seiner Schutzhülle ist als Individuum immer weniger wahrnehmbar. Mit Freunden in der Gruppe, als wendiges Rudel, ist man mit einer kleinen Moped-Flottille rasant unterwegs und genießt das Gefühl gleichberechtigter Mobilität. Es gibt wie im Auto nicht den einen Fahrer, während die anderen einfach mitfahren, sondern jeder hat seinen Anteil an Fahrspaß und urbanem Abenteuer.

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